Die Kirche Christi, Sein Leib, Sein Volk: Eine biblische Grundlegung der Gemeinde Jesu Christi: Was ist die Kirche? Wer gehört zu ihr? Und was ist ihre Sendung in dieser Welt?

Matthäus 16,18: „Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“

1. Petrus 2,9: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“

Epheser 1,22–23: „Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.“

1.Petrus 2,5: „Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.“

Was ist die Kirche?

Die Kirche ist nicht ein Gebäude aus Stein und Mörtel, nicht eine menschliche Organisation oder ein religiöser Verein. Die Kirche ist die heilige Gemeinde der Gläubigen, die Jesus Christus durch sein Wort und seinen Geist auf Erden sammelt, erhält und sendet. Sie ist der Leib Christi, seine Braut, sein Volk, sein Tempel. Sie ist das Werk Gottes selbst, gegründet auf das Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes.

Unser Herr Jesus Christus selbst hat diese Kirche verheißen und ins Leben gerufen, als er zu Petrus sprach: „Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“ (Matthäus 16,18). Der Fels, auf dem die Kirche gebaut ist, ist das Bekenntnis zu Christus selbst, der lebendige Glaube an ihn als den Messias, den Erlöser, den einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen. Die Kirche ist nicht menschliches Machwerk, sondern göttliche Stiftung. Sie ist Christi Eigentum, erkauft mit seinem kostbaren Blut am Kreuz.

Wer ist das Fundament der Kirche?

Das Fundament der Kirche ist Jesus Christus allein. Der Apostel Paulus schreibt: „Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1. Korinther 3,11). Christus ist der Eckstein, auf dem alles ruht. Er ist das Haupt der Gemeinde, und die Gemeinde ist sein Leib. In Epheser 1,22–23 lesen wir: „Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.“ Die Kirche hat ihr Leben, ihre Kraft, ihre Hoffnung und ihre Sendung allein von Christus her. Ohne ihn ist sie nichts. Mit ihm ist sie die herrlichste Gemeinschaft auf Erden, weil sie zu ihm gehört und er in ihr lebt.

Die Kirche ist Christi Leib, und das bedeutet: Christus wirkt durch sie, er regiert in ihr, er heiligt sie, er führt sie zum ewigen Ziel. Die Kirche ist nicht von dieser Welt, aber sie ist in dieser Welt, um Christus zu bezeugen und seine Liebe zu den Menschen zu tragen. Ein Leben im Glauben kennt die unsichtbare Gemeinschaft der Heiligen – jene verborgene, geistliche Einheit aller, die Christus gehören. Doch diese unsichtbare Kirche steht niemals gegen die sichtbare.

Gott hat seinen Leib nicht als Idee gestiftet, sondern als konkrete, erfahrbare Gemeinschaft. Die sichtbare Kirche ist der Ort, an dem Wort und Sakrament hörbar und greifbar werden, an dem Christus selbst handelt. Wer fragt, ob es „ohne die sichtbare Kirche“ geht, verkennt, dass Christus sich gerade durch diese sichtbare Gestalt an die Welt bindet. Die unsichtbare Kirche ist die Tiefe, die sichtbare Kirche die Form; beides gehört untrennbar zusammen. Denn der Glaube kommt aus der Verkündigung (Römer 10,17), und Verkündigung geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern in der versammelten Gemeinde, die Christus sich erwählt hat, um sein Heil auszuteilen: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“

Wer gehört zur Kirche?

Zur Kirche gehören alle, die an Jesus Christus glauben, die durch die Taufe in seinen Tod und seine Auferstehung hineingenommen sind und die durch den Heiligen Geist wiedergeboren wurden.

Es ist nicht die äußere Zugehörigkeit zu einer Konfession oder Institution, die einen Menschen zur Kirche macht, sondern der lebendige Glaube an Christus. Petrus schreibt in seinem ersten Brief: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“ (1. Petrus 2,9). Diese Worte gelten allen Getauften und Glaubenden. Sie sind das neue Gottesvolk, nicht durch Abstammung oder eigene Leistung, sondern durch Gottes freie Gnade in Jesus Christus.

Die Kirche ist die Gemeinschaft der Heiligen, nicht weil ihre Glieder sündlos wären, sondern weil sie durch Christus geheiligt, gerechtfertigt und erneuert werden. Sie sind lebendige Steine, die Gott selbst zu einem geistlichen Haus zusammenfügt. „Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus“ (1. Petrus 2,5). Jeder Glaubende ist ein Teil dieses lebendigen Tempels, in dem Gott durch seinen Geist wohnt.

Und darum gilt: Aus dieser geistlichen Kirche kann niemand austreten. Wer durch Christus neu geboren wurde, wer in seinem Licht steht und durch seinen Geist lebt, der bleibt Glied an seinem Leib – nicht weil er sich selbst halten könnte, sondern weil Christus ihn hält. Die sichtbare Kirche mag ein Mensch verlassen, aus Enttäuschung, aus Verletzung, aus Schwäche oder aus äußerem Zwang. Doch die unsichtbare, geistliche Kirche ist kein Verein, aus dem man sich abmelden kann, sondern Gottes eigenes Werk.

Sie besteht dort, wo Christus Glauben schafft und erhält. Und dennoch gehören geistliche und sichtbare Kirche untrennbar zusammen: Die geistliche Kirche ist die verborgene Tiefe, die sichtbare Kirche ihre konkrete Gestalt. Wer Christus gehört, wird immer wieder in die Gemeinschaft seiner sichtbaren Kirche gerufen, weil der Glaube nicht im Verborgenen bleibt, sondern sich im Hören, im Beten, im Feiern der Sakramente und im gemeinsamen Leben ausdrückt. So hält Christus seine Gemeinde zusammen – im Unsichtbaren durch seinen Geist, im Sichtbaren durch sein Wort und seine Zeichen.

Was bedeutet es, dass die Kirche eine Priesterschaft ist?

Die Kirche ist eine königliche Priesterschaft. Das bedeutet nicht, dass es keine geordneten Ämter in der Kirche gäbe, aber es bedeutet, dass jeder Glaubende unmittelbaren Zugang zu Gott hat durch Jesus Christus. Martin Luther hat dies das allgemeine Priestertum aller Gläubigen genannt. Jeder Getaufte darf und soll beten, die Schrift lesen, Gott loben, seinem Nächsten dienen und das Evangelium bezeugen. Die geistlichen Opfer, von denen Petrus spricht, sind nicht mehr die blutigen Opfer des Alten Bundes, sondern das Opfer des Lobes, der Dankbarkeit, des Gebets und des hingegebenen Lebens.

Paulus ermahnt die Römer: „Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst“ (Römer 12,1). Die Kirche lebt nicht für sich selbst, sondern für Gott und für die Welt. Sie verkündigt die großen Taten Gottes, sie lobt seinen Namen, sie betet für die Welt, sie dient den Geringen, sie tröstet die Betrübten, sie weist auf Christus hin, in dem allein Rettung und Heil zu finden sind.

Und doch soll es eine Ordnung geben. „Denn Gott ist kein Gott der Unordnung, sondern des Friedens“ (1. Korinther 14,33). Darum hat Christus seiner Kirche nicht nur das allgemeine Priestertum aller Gläubigen geschenkt, sondern auch den Dienst des öffentlichen Amtes. Dieses Amt entsteht nicht aus menschlicher Überlegenheit, sondern aus göttlicher Berufung und aus der Verantwortung, die Gemeinde im Wort und in den Sakramenten zu leiten. Priester – oder in der Sprache der Reformation: Pfarrer, Hirten, Diener des Wortes – sollen ausgebildet, geprüft und geistlich geformt werden, damit sie die Herde Christi treu weiden. Ihre Aufgabe ist nicht Herrschaft, sondern Dienst; nicht Macht, sondern Hingabe; nicht eigene Ehre, sondern die Verkündigung des Evangeliums in Reinheit und Klarheit.

So bleibt die Ordnung des Amtes ein Geschenk Gottes an seine Kirche, damit das allgemeine Priestertum nicht im Beliebigen zerfließt, sondern durch die treue Verkündigung und geistliche Leitung genährt und gestärkt wird.

Was ist die Sendung der Kirche?

Die Sendung der Kirche ist es, das Evangelium von Jesus Christus in alle Welt zu tragen. Christus selbst hat seiner Kirche den Auftrag gegeben: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,19–20). Die Kirche ist die Botin Christi, die Trägerin seines Wortes, die Verwalterin der heiligen Sakramente. Sie verkündigt Buße und Vergebung der Sünden. Sie ruft Menschen aus der Finsternis in das wunderbare Licht Gottes. Sie lädt ein zum Tisch des Herrn, wo Christus selbst sich schenkt in Brot und Wein. Die Kirche ist nicht von dieser Welt, aber sie ist in diese Welt gesandt, um Salz und Licht zu sein. Sie soll nicht die Welt richten, sondern ihr Christus bringen, der allein Retter und Richter ist.

Dies ist eine heilige Aufgabe, die heute leider vielerorts nicht mehr ernstgenommen wird. Aus Mangel an Gottesfurcht, aus dem Verlust des Bewusstseins für die Majestät und Heiligkeit Gottes, verkündigen wir nicht mehr Christus, sondern unsere eigenen Ideologien. Wir passen das Evangelium den Erwartungen der Zeit an, statt die Zeit mit dem Evangelium zu konfrontieren. Wir reden von Selbstverwirklichung, aber nicht mehr von Selbstverleugnung; von gesellschaftlicher Relevanz, aber nicht mehr von der rettenden Wahrheit; von menschlichen Konzepten, aber nicht mehr vom gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

Wo Christus draußen bleiben muss, verliert die Kirche ihre Sendung, ihre Kraft und ihre Identität. Denn die Kirche ist nicht berufen, die Welt zu bestätigen, sondern sie zu Christus zu rufen – in Demut, in Liebe, aber auch in heiligem Ernst. Nur dort, wo Christus im Zentrum steht, bleibt die Kirche Kirche und erfüllt den Auftrag, den ihr der Herr selbst gegeben hat.

Wie wird die Kirche bewahrt?

Die Kirche wird bewahrt durch das Wort Gottes und die Sakramente. Wo das Evangelium rein und lauter gepredigt wird, wo Taufe und Abendmahl nach Christi Einsetzung verwaltet werden, da ist die wahre Kirche. Sie ist keine perfekte Gemeinschaft, sie ist durchsetzt mit Schwachen, Irrenden, Angefochtenen. Aber sie steht unter der Verheißung Christi: „Die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“ (Matthäus 16,18). Keine Macht der Welt, keine Verführung des Bösen, keine Verfolgung und kein Irrtum können die Kirche letztlich zerstören. Christus hält sie in seiner Hand. Der Heilige Geist wirkt in ihr, führt sie in alle Wahrheit, erneuert sie, tröstet sie, stärkt sie.

Die Kirche ist nicht unfehlbar in ihren Gliedern, aber sie ist unzerstörbar in ihrem Herrn. Sie lebt aus der Gnade, sie atmet durch das Wort, sie wird genährt durch das Sakrament. In der Feier des Gottesdienstes, in der Gemeinschaft der Geschwister, in der Verkündigung des Evangeliums und in der Feier des Abendmahls begegnet Christus seiner Gemeinde und erhält sie bei sich bis ans Ende der Tage.

Die 2000‑jährige Geschichte der Kirche bezeugt diese Wahrheit mit einer Eindringlichkeit, die uns heute beschämen müsste. Immer wieder erhoben sich Mächte und Kräfte, die die Kirche ausrotten wollten – politische Systeme, Ideologien, Herrscher, ganze Bewegungen. Von den römischen Kaiserverfolgungen über die Zerstörung Jerusalems, von den Irrlehren der ersten Jahrhunderte bis zu den totalitären Regimen der Neuzeit: Die Kirche wurde bedrängt, verspottet, verboten, vertrieben.

Und doch steht sie. Nicht, weil ihre Glieder stark wären, sondern weil Christus stark ist. Auch heute gibt es Gruppen und Strömungen, die die Kirche am liebsten zum Schweigen bringen würden – aus Hass auf das Evangelium, aus ideologischem Eifer, aus geistlicher Blindheit. Doch es wird ihnen nicht gelingen. Der Teufel hat keine Macht über die Gemeinde, die Christus gehört. Er kann verwirren, verletzen, spalten, aber er kann nicht zerstören. Denn der Herr der Kirche lebt, und seine Verheißung bleibt: Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.

Was ist die Hoffnung der Kirche?

Die Hoffnung der Kirche ist die Wiederkunft Christi und die Vollendung des Reiches Gottes. Die Kirche ist unterwegs, sie ist pilgerndes Gottesvolk auf dem Weg zur ewigen Heimat. Sie leidet mit dieser Welt, sie trägt das Kreuz, sie erfährt Anfechtung und Widerstand. Aber sie weiß, dass der Herr wiederkommt, um sein Reich zu vollenden. Dann wird die streitende Kirche zur triumphierenden Kirche werden. Dann werden alle Tränen abgewischt, alles Leid wird ein Ende haben, und Christus wird sein bei seinem Volk in Ewigkeit.

Die Offenbarung des Johannes bezeugt: „Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein“ (Offenbarung 21,3). Das ist die große Hoffnung, die die Kirche trägt und tröstet. Sie wartet auf ihren Herrn, sie sehnt sich nach dem Tag, an dem er alles neu macht. Bis dahin bleibt sie treu, verkündigt sie das Evangelium, dient sie der Welt in Liebe und bezeugt sie die Hoffnung, die in ihr ist.

Die Verengung auf Gebäude und Institution

Der Fehler unserer Zeit – und leider auch vieler Gläubigen – besteht darin, dass sie die Kirche auf das reduzieren, was man sehen und anfassen kann: Gebäude, Strukturen, Institutionen, Programme. Man verwechselt das Haus Gottes mit den Steinen, die es tragen, und vergisst dabei, dass die wahre Kirche der lebendige Tempel Gottes ist, gebaut aus Menschen, die Christus gehören.

Wenn wir Kirche nur als Organisation betrachten, verlieren wir den geistlichen Blick. Wir beginnen, sie zu behandeln wie einen Verein, den man kritisieren, verlassen oder nach eigenen Vorstellungen umgestalten kann. Doch die Kirche ist heilig, weil Christus in ihr wohnt. Darum sollen wir sie wertschätzen, achten und lieben – nicht blind, nicht unkritisch, aber mit dem Bewusstsein, dass sie Gottes Eigentum ist.

Wer die Kirche verachtet, verachtet den Tempel, in dem Gott selbst Wohnung genommen hat. Wer sie liebt, liebt Christus, der sie mit seinem Blut erworben hat. So ruft uns die Heilige Schrift dazu, die Kirche nicht kleinzureden, sondern sie geistlich zu sehen: als den Ort, an dem Gott unter den Menschen wohnt und sein Heil sichtbar und hörbar wird.

Der Kleine Katechet